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HÖRSTURZ
© Ralph Dutli 2018
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Ralph Dutli  Schriftsteller
Gedichtzyklus mit dem Titel „Hörsturz“ In: „Neue Rundschau“ 2010, 4 Leseprobe
Herz-Derwisch  dann begann es seinen Wirbel ungefragt es stichelte hüpfte pampte so dass ich ans Abheben dachte ans Flügelbekommen so flirrend mit Zeug durchblutet dass es sich betrank mein Ohr achte nicht auf mich! sagt der Tod lass dich nicht abhalten!  tu so als gäbs mich nicht nicht mal quer nicht mal im Traum Sorgt sich jede Reue noch um das erwachsene Herz? Steinzeit im Ohr? fransende tötelnde Metro-Süße? die stammelnden Orakel  irrer Farne und Fasane?
Leuchtendes Ei der Tod ist scheinheilig über mein Ohr geflogen hat leuchtend ein Ei abgesetzt eine rauschende Verwechslung jetzt glänzt ein russisches Märchen : vom bösen Zauberer Koschtschej überm tauben linken Mond ein Wolfsjunges eine Krähe ein Hecht flüstert mir was zu mit grauen Lippen  was ich schon nicht mehr hörst du Hörsturz Wo ist dein Tod verehrter Kosch? Im Ei! jedes Ende erfindet sich möglichst früh die Geburt
Sudden deafness Hörfetzen dringen noch herein unter den vielen Ratten eine einzige von ihnen macht achthundert Liter im Jahr mein Ohr liegt unterm Müll begraben sudden deafness wie soll ichs nennen ich hör der Welt nicht mehr ganz zu gehör ihr nicht mehr völlig fremd zu sein unter soviel tropfenden Sternen gieß mir Licht + ins Ohr Eriugena
Gleichgewichtsprüfung   Brainstem electronic resistance audiometry und Gleichgewichtsprüfung ob die Welt im Gleichen sei im Gewicht Charles’ Vater sagte im Scherz wohin wandern wir als nächstes aus? das Merkwürdige war dass eine dieser Ratten Gedichte schrieb: bloße Erinnerung an das plötzliche Aufblitzen der Glühwürmchen überm etruskischen Gebüsch eine unsichtbare Hand dirigiert sie in diesem Lichtkonzert ohne jeden möglichen Sinn aber froh sind sie zu leuchten wenn du wie ich