WINTERPECH & SOMMERPECH
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© Ralph Dutli 2018
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Ralph Dutli  Schriftsteller
NEU Rutebeuf Winterpech & Sommerpech Die Poeme vom großen Würfeln: von Unglück, Missgeschick und Allerlei Aus dem Französischen des 13. Jahrhunderts übertragen und mit einem Essay von Ralph Dutli Wallstein Verlag, Göttingen 2017 Verlagsseite zum Buch Hörproben
Vorabdruck eines Auszugs aus meinem Nachwort- Essay in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Samstag, 22. Juli 2017 [PDF] 
Der Pariser Dichter Rutebeuf (1230–1285) ist ein Poet völlig neuen Typs im Mittelalter: Radikal subjektiv und provokativ unhöfisch berichtet er von Armut, Elend, Missgeschick, Spiel- und Trunksucht, von seinem Hadern mit Gott, seiner Sehnsucht nach Vergebung und Erlösung. Zweihundert Jahre vor dem spätmittelalterlichen Poeten und Vagabunden François Villon (1431–1463) schuf dieser verblüffend modern wirkende Dichter Poeme voller Verzweiflung, Empörung, Poesie und Witz, die auch heute noch lesenswert erscheinen. Kein anderer Dichter hatte im 13. Jahrhundert eine solche literarische Bandbreite: von der autobiographischen Beichte voller lyrischer Bilder zur Gesellschaftssatire, von allegorischer Hof- und Königskritik zum religiösen Theaterstück und zum Heiligenleben, vom derben Schwank und karnevaleskem Nonsense zum inbrünstigen Ave Maria.   Als Mahner, Moralist und Zeitkritiker beklagt Rutebeuf das Überhandnehmen von Falschheit und Heuchelei, geißelt die Allmacht des Geldes („Die Armut gilt als Krankheit heute, / Die Reichen machen fette Beute“) und den Mangel an Liebe, Güte und Solidarität: „Warum liebt keiner mehr den andern?“ fragt er im Poem „Die Plagen der Welt“ (1255). Dem zweifelhaftesten Werbeslogan unserer Zeit, „Geiz ist geil“, hält er eine nachhallende Antwort entgegen: „Geiz ist doch völlig ohne Reiz“.        Er polemisierte gegen die Allmacht des Geldes, gegen die Heuchler und Wahrheitsverdreher und verhehlte seine eigenen Süchte und Dämonen nicht: der Pariser Dichter Rutebeuf (12301285) gibt packende Einblicke in das Leben eines gesellschaftlichen Außenseiters im Mittelalter und berichtet von einer Welt in der Krise.“
   Erstmals seit 750 Jahren übersetzt und vermittelt Ralph Dutli eine    Auswahl von Poemen dieses „Hiob in den Pariser Straßen“ und vollendet     – nach den erfolgreichen Bänden Fatrasien – Absurde Poesie des    Mittelalters (Wallstein Verlag 2010) und Richard de Fournival – Das    Liebesbestiarium (Wallstein Verlag 2014) – seine „Kleine Trilogie des    13. Jahrhunderts“, die den deutschsprachigen Leser dreifach zum    Staunen bringen will über die ins Mittelalter zurückreichenden Wurzeln    der literarischen Moderne.
Hörproben
1. Rutebeuf: Winterpech (Min. 02:08) 2. Rutebeuf: Die Armut gilt als Krankheit heute (Min. 01:15) 3. Rutebeuf: Du sollst den Spielmann nicht betrügen (Min. 03:43) Musikalische Begleitung: Gary Fuhrmann und Matthias Dörsam (Saxophon, Klarinette)
Pressestimmen
„Ein toller Fund: Der Dichter Rutebeuf (1230–1285), der über verlorene Freunde und verlorene Glücksspiele klagt, ist eine kraftvolle Stimme aus dem Mittelalter.“                                                  Kölner Stadt-Anzeiger, 4. September 2017 („Herbstlektüre. Diese Bücher sollten Sie im September lesen“) „In Deutschland bislang unübersetzt, kleidete Ralph Dutli das Murren, Jammern, Klagen und Wüten des Spielers Rutebeuf in melodiöse Verse, die auch Derbheit und Schroffheit nicht scheuen.“                                                           Franz Schneider, Rhein-Neckar-Zeitung, 5. September 2017                                                                                 „Nach über 700 Jahren sind sie endlich auf Deutsch zu lesen: die kräftigen, bildstarken Gedichte des Franzosen Rutebeuf. Eine Entdeckung! Sein trostloses Dasein schildert er in so eindringlichen Bildern, dass wir lesend mitempfinden. Die Lyrik wie auch das kundige Nachwort des Übersetzers, das den gesellschaftlichen, kulturhistorischen Horizont aufreißt, wecken die Lust auf mehr Rutebeuf.“                                                            Guido Kalberer, Tages-Anzeiger (Zürich), 15. September 2017                                            „Dank Dutli kann ein packender, unglaublich gegenwärtiger und moderner Autor wiederentdeckt werden.“ Museumsnacht Hegau-Schaffhausen, 16. September 2017 „Eine einzigartige Stimme des Mittelalters, die mit allen Konventionen bricht und sich selbst als ‚poète maudit' inszeniert.“ Theo Schneider, SWR „Gedichte und ihre Geschichte“, 7. Oktober 2017 „Meisterhaft übertragen und mit einer tollen Studie versehen. Ralph Dutli ist ein ganz großartiger Essayist und Forscher, Übersetzer und Nachdichter.“ Hildegard Keller,„Literaturclub“ Schweizer Fernsehen SRF, 14. November 2017, („Die Kritikrunde empfiehlt - Literaturclub Plus“ [klick]) „Im deutschsprachigen Raum blieb Rutebeufs Klage ohne Echo. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass der Romanist und Autor Ralph Dutli nun eine französisch-deutsche Auswahl von Rutebeufs Poemen vorgelegt hat. Mit seinen Übersetzungen der anarchisch- surrealistischen Poesie der sogenannten Fatrasien (2010) sowie des Liebesbestiariums (2014) des Lieddichters Richard de Fournival hat sich der vielfach ausgezeichnete Dutli bereits einen Namen als Experte für altfranzösische Underdog-Literatur des 13. Jahrhunderts gemacht. Mit Rutebeufs ebenso elegischen wie sarkastischen Versen vollendet er ein poetisches Triptychon, das mit seinen karnevalesken Sprachflügeln tiefe Einblicke in die diesseitige Welt des Mittelalters gewährt.“   Medard Ritzenhofen, Dokumente/Documents, Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog 4/2017 Über das Lesungskonzert im Rahmen des Wormser Festivals „wunderhoeren“ am 22. August 2018 [klick] „750 Jahre nach Rutebeufs Schaffenszeit macht Ralph Dutli in seinem Buch Winterpech & Sommerpech die spannenden und zeitgeschichtlich hoch wertvollen Texte der deutschen Literaturlandschaft zugänglich. Ein großartiges Hörtheater ... Zwischen den literarischen Parts schufen eigens angefertigte Kompositionen der beiden Blasinstrument-Spezialisten Gary Fuhrmann und Matthias Dörsam jeweils die Verbindung zwischen alt und neu, zwischen schlicht und virtuos. Eine musikalische Charakterstudie Rutebeufs: tiefgründig, unkonventionell, witzig, aus dem Rahmen fallend, authentisch und dramatisch. Ralph Dutli, ein Großmeister rhetorischer und literarischer Stilmittel, agierte als Alter Ego des Dichters mit faszinierender darstellerischer Kraft, einer kraftvollen, intensiven Sprache von allerhöchster dichterischer Qualität und emotionaler Authentizität. Ein zutiefst beeindruckendes Erlebnis.“ Viktoria Selbert, Wormser Zeitung, 24. August 2018